Moderates Marktwachstum — Motorbootmarkt gewinnt weiter an Fahrt

Die mari­ti­me Bran­che in Deutsch­land befin­det sich wei­ter­hin auf Wachs­tums­kurs. Auch inter­na­tio­nal bleibt der Markt sta­bil, aller­dings ohne nen­nens­wer­te posi­ti­ve Impul­se. Deut­lich spür­bar ist der Trend zu Motor­boo­ten und -yach­ten, die natio­nal wie inter­na­tio­nal zule­gen konn­ten. Die Umsät­ze im Segel­yacht­seg­ment sind dage­gen leicht rück­läu­fig.

In Deutsch­land beur­tei­len nach einer Kon­junk­tur­um­fra­ge des Bun­des­ver­ban­des Was­ser­sport­wirt­schaft zum Jah­res­en­de 83,1% (Vor­jahr: 83,5%) der Unter­neh­men die aktu­el­le Geschäfts­la­ge gleich gut oder bes­ser als im Vor­jahr. Der Markt wächst mode­rat aber ste­tig, so könn­te man die aktu­el­le Situa­ti­on zusam­men­fas­sen. Ins­ge­samt erwar­tet die Bran­che für 2016 einen Gesamt­um­satz an mari­ti­men Gütern und Dienst­leis­tun­gen von rund 2 Mrd. Euro (ohne Mega­yacht­be­reich).

Nach Ein­schät­zung der Unter­neh­men wird der posi­ti­ve Markt­trend anhal­ten: Gut 90% der Unter­neh­men rech­nen mit gleich­blei­ben­den oder bes­se­ren Geschäf­ten im kom­men­den Jahr.

Neu­boot­markt

Den­noch ergibt sich kein ein­heit­li­ches Bild. Im Segel­boot­be­reich nimmt die Nach­fra­ge nach gro­ßen Segel­yach­ten und -kata­ma­ra­nen wei­ter­hin zu, wäh­rend im mitt­le­ren und klei­ne­ren Boots­seg­ment das Markt­um­feld schwie­rig bleibt. Anders im Motor­boot­be­reich. Zwar bleibt auch hier groß & teu­er en vogue, klei­ne Motor­boo­te bis 30 Fuß Boots­län­ge wer­den aber hier, anders als im Segel­boot­be­reich, stark nach­ge­fragt.

Deut­lich im Trend lie­gen in die­sem Seg­ment mit Außen­bor­dern moto­ri­sier­te Boo­te. Gerin­ge­re Ver­brauchs­wer­te und War­tungs­kos­ten sowie mehr Platz an Bord sind für vie­le Kun­den hier die aus­schlag­ge­ben­den Argu­men­te. Das bele­gen auch die Ver­kaufs­zah­len der Außen­bor­der. Im den ers­ten 10 Mona­ten des Jah­res 2016 hat sich der Absatz an Außen­bord­mo­to­ren im Leis­tungs­be­reich über 60 PS gegen­über dem Vor­jah­res­zeit­raum um 13 % erhöht.

Ent­spre­chend unter­schied­lich bewer­ten die Unter­neh­men die Ent­wick­lung im Segel- und Motor­boot­be­reich. 93% der Motor­boot­händ­ler berich­ten von gleich guten oder bes­se­ren Geschäf­ten im Ver­gleich zum Vor­jahr. Im Segel­boot­be­reich sind dies ledig­lich 80%. Ins­ge­samt rech­net die Bran­che mit einem Umsatz von rund 192 Mio. Euro im Neu­boot­be­reich.

Neu­ein­stei­ger bele­ben den Markt

Eine aktu­el­le bun­des­wei­te Stu­die* des Ver­ban­des über den Boots­markt zeigt, dass in den letz­ten Jah­ren wie­der mehr Neu­ein­stei­ger für den Boots­sport gewon­nen wer­den konn­ten. Aktu­ell gewinnt die Bran­che rund 7.000 – 7.500 Boots­eig­ner jähr­lich hin­zu. Weit­aus grö­ßer dürf­te die Anzahl der­je­ni­gen sein, die sich zunächst oder auf Dau­er dem Char­ter­markt zuwen­den. Indi­ka­tor hier­für ist die Anzahl der abge­leg­ten Amt­li­chen Sport­boot­füh­rer­schei­ne Bin­nen und See. Zwi­schen 2006 und 2015 hat sich die Anzahl der erwor­be­nen Füh­rer­schei­ne von 63.529 auf 81.049 (+ 27,6%) erhöht. Boots­sport liegt also wei­ter­hin im Trend.

Eine erfreu­li­che Ent­wick­lung, die durch die bun­des­wei­te Kam­pa­gne für den Boots­sport START BOATING wei­ter geför­dert wird. 2016 haben rund 2.600 Per­so­nen den Boots­sport auf einem der 7 Bootsevents kos­ten­frei aus­pro­bie­ren kön­nen – und waren begeis­tert!

*Struk­tu­ren im Boots­markt – update 2016 unter: http://www.bvww.org/forschung/forschungsprojekte/strukturen-im-bootsmarkt/

Von den höhe­ren Ein­stiegs­zah­len pro­fi­tiert der Motor­boot- stär­ker als der Segel­boot­be­reich. 62% der rund 74.000 Neu­ein­stei­ger in den letz­ten 10 Jah­ren haben sich für ein Motor­boot ent­schie­den. Die Ein­stiegs­hür­den (Ausbildung/Führerschein/ Erfah­rung) wer­den im Motor­boot­be­reich ganz offen­sicht­lich als weni­ger hoch ange­se­hen.

Auch wenn die meis­ten posi­ti­ven Impul­se zwei­fel­los vom Bin­nen­markt aus­ge­hen, das Export­ge­schäft bleibt für die deut­schen Boots­her­stel­ler über­le­bens­wich­tig. Immer­hin wer­den mehr als 80% der Boots­pro­duk­ti­on in das Aus­land ver­kauft. Dank qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ger und inno­va­ti­ver Pro­duk­te mit einem guten Preis-/Leistungsverhältnis konn­ten sich die deut­schen Her­stel­ler auf den Aus­lands­märk­ten bes­tens behaup­ten. Ins­ge­samt wur­den im ers­ten Halb­jahr 2016 1884 Motor- und Segel­yach­ten im Wert von 135,1 Mio. Euro in das Aus­land expor­tiert. Dies ent­spricht einem Zuwachs von 27,6% nach Stück­zah­len und 3,2% bezo­gen auf den Wert.

Auch beim Export zeigt sich die wei­ter zuneh­men­de Bedeu­tung des Motor­boot-seg­men­tes. Wert­mä­ßig haben die Expor­te von Motor­boo­ten um 22% gegen­über dem Vor­jah­res­halb­jahr zule­gen kön­nen, bei den klei­nen Motor­boo­ten bis 7,5 m Boots­län­ge sogar um sat­te 52%. Der Export von Segel­yach­ten ist im glei­chen Zeit­raum wert­mä­ßig um 8,3% gesun­ken.

Gebraucht­boot­markt

80% der Motor­boot­händ­ler bezeich­nen die aktu­el­le Geschäfts­la­ge als gleich gut oder bes­ser als im Vor­jahr. Im Segel­boot­be­reich fällt die Bewer­tung mit 62,5% deut­lich zurück­hal­ten­der aus. Gute und jün­ge­re Gebrauch­te sind inzwi­schen Man­gel­wa­re und fin­den schnell einen neu­en Eig­ner. Boo­te, die Jahr­zehn­te auf dem Buckel haben und in Design, Aus­stat­tung und Kom­fort weit hin­ter moder­nen Boo­ten zurück­blei­ben, erwei­sen sich hin­ge­gen immer öfter als unver­käuf­li­che Laden­hü­ter.

Für die Unter­neh­men bleibt der Gebraucht­boot­markt ein wich­ti­ges Stand­bein, auch wenn längst nicht alle Boo­te über den Fach­han­del ver­kauft wer­den. Rund 21.000 Boo­te und Yach­ten (nicht gerech­net Schlauch- und Klein­boo­te) ste­hen jähr­lich zum Ver­kauf und gene­rie­ren einen Umsatz von rund 423 Mio. Euro.

Rund um das Boot

Die Markt­seg­men­te Aus­rüs­tung, Zube­hör sowie Boots­ser­vice und -war­tung sind in der mari­ti­men Wirt­schaft wich­ti­ge Umsatz­trä­ger. Rund 680 Mio. Euro haben die Boots­eig­ner 2016 in ihre Boo­te und Yach­ten inves­tiert und damit das Vor­jah­res­er­geb­nis erreicht – trotz der Wet­ter­ka­prio­len im abge­lau­fe­nen Jahr.

Bran­chen­in­si­der wis­sen, dass die Wet­ter­ver­hält­nis­se einen erheb­li­chen Ein­fluss auf die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung im mari­ti­men Bereich haben. Das hat sich in die­sem Jahr erneut bestä­tigt. Der frü­he Oster­ter­min bei gleich­zei­tig kal­tem und bis in den Vor­som­mer hin­ein sehr unbe­stän­di­gem Wet­ter hat­te bis in den Mai hin­ein zu Umsatz­ein­bu­ßen geführt, die aller­dings durch den annehm­ba­ren Som­mer und den über­ra­schend guten Herbst aus­ge­gli­chen wer­den konn­ten.

Ser­vice- und War­tungs­be­trie­be dür­fen sich also auch wei­ter­hin über eine her­vor­ra­gen­de Aus­las­tung freu­en. 92,5% der Unter­neh­men berich­ten von einer gleich guten oder bes­se­ren Geschäfts­ent­wick­lung im Ver­gleich zum Vor­jahr. Im Bereich Aus­rüs­tung und Zube­hör beträgt die­ser Wert rund 84%.

Mari­ti­mer Tou­ris­mus

Unbe­ein­druckt vom aktu­el­len Wet­ter­ge­sche­hen blieb der Char­ter­markt. Hier wird das Buchungs­ver­hal­ten von den Vor­jah­res­be­din­gun­gen beein­flusst. Und die waren ins­ge­samt gut. Die Unter­neh­men ver­mel­den dem­entspre­chend sowohl im Inlands- als auch im Aus­lands­ge­schäft Zuwachs­ra­ten. Dies gilt aller­dings nicht für die Tür­kei, die von den Char­ter­kun­den auf­grund der sich wei­ter zuspit­zen­den poli­ti­schen Ver­hält­nis­se gemie­den wird.

Urlaub in Deutsch­land wird immer belieb­ter. Nicht nur die Deut­schen selbst ver­brin­gen immer häu­fi­ger die schöns­ten Wochen des Jah­res im eige­nen Land, auch für Gäs­te aus dem Aus­land, bei­spiels­wei­se aus der Schweiz, gewin­nen Urlau­be in Deutsch­land ganz offen­sicht­lich an Reiz. Davon pro­fi­tie­ren sowohl die Char­ter­un­ter­neh­men an der Küs­te als auch im Bin­nen­land.

Im Bereich der Motor­boot- und Haus­boot­char­ter wir­ken sich zudem die inzwi­schen auch inter­na­tio­nal kon­kur­renz­fä­hi­gen Füh­rer­schein­be­din­gun­gen aus. Auf den Bun­des­was­ser-stra­ßen (Aus­nah­me Rhein) bleibt das Ver­gnü­gen bis 15 PS gene­rell füh­rer­schein­frei. Hin­zu kom­men rund 700 km tou­ris­tisch beson­ders reiz­vol­le deut­sche Was­ser­stra­ßen in Ber­lin, Bran­den­burg, Hes­sen, Meck­len­burg-Vor­pom­mern, Rhein­land-Pfalz, Sach­sen-Anhalt und im Saar­land, die im Rah­men der Char­ter­schein­re­ge­lung mit Boo­ten bis zu einer Län­ge von 15 m füh­rer­schein­frei gefah­ren wer­den dür­fen.

Auch die Ver­mie­ter von Kanus und Kajaks sind mit dem Geschäfts­jahr 2016 zufrie­den. 82,6% der Unter­neh­men berich­ten von einem gleich guten oder bes­se­ren Geschäfts-ver­lauf als im Vor­jahr.

Tauch­sport

13 Jah­re lang begeis­ter­te die TV-Serie „Geheim­nis­se des Mee­res“ (Erst­aus­strah­lung 1969) im deut­schen Fern­se­hen bei jeder Fol­ge ein Mil­lio­nen­pu­bli­kum. Sie mach­te nicht nur den Ver­fas­ser und Mee­res­for­scher Jac­ques-Yves Cous­teau welt­be­rühmt, son­dern ver­half dem Tauch­sport zu einem enor­men Auf­schwung. Inzwi­schen umfasst nach einer Stu­die*, die der Tauch­sport-Indus­trie­ver­band in Auf­trag gege­ben hat­te, die deut­sche Tauch­ge­mein­de 406.000 Sport­tau­cher, 177.000 Inten­siv­tau­cher mit eige­ner Aus­rüs­tung und 229.000 Gele­gen­heits­tau­cher, die mit gelie­he­ner Aus­rüs­tung ihrem Frei­zeit­hob­by nach­ge­hen.

Auch wirt­schaft­lich fris­tet der Tauch­sport längst kein Nischen­da­sein mehr. Rund 120 Mio. Euro geben die Sport­tau­cher jähr­lich für ihre Aus­rüs­tung aus, 67 Mio. Euro für Tauch­kur­se und Fort­bil­dung sowie rund 590 Mio. Euro für Tauch­rei­sen. Auf Euro­pas größ­ter Tauch­sport­mes­se der boot Düs­sel­dorf belegt die Bran­che mit rund 380 Aus­stel­lern 20.000 qm Aus­stel­lungs­flä­che.

*Tau­chen in Zukunft – update 2014 unter: http://www.bvww.org/forschung/forschungsprojekte/tauchen-in-zukunft/

Aus­blick

Die Unter­neh­men bli­cken wei­ter­hin mit Opti­mis­mus in die Zukunft. Mehr als 90% der Betrie­be glau­ben im Hin­blick auf die kom­men­de Was­ser­sport­sai­son an gleich­blei­ben­de oder bes­se­re Geschäf­te. Ledig­lich 9% rech­nen mit einer gering­fü­gi­gen kon­junk­tu­rel­len Abschwä­chung.

Die­se Ein­schät­zung wird durch die wei­ter­hin posi­ti­ven wirt­schaft­li­chen Rah­men-bedin­gun­gen in Deutsch­land unter­mau­ert. Mit 5,9% befin­det sich die Arbeits­lo­sen­quo­te auf dem nied­rigs­ten Stand seit 25 Jah­ren. Ein Wirt­schafts­wachs­tum von 1,5% sowie ein pro­gnos­ti­zier­ter Anstieg der ver­füg­ba­ren Ein­kom­men von 2,9% im Jahr 2017 wer­den auch wei­ter­hin für ein gutes Kon­sum­kli­ma sor­gen.

Den­noch gibt es auch Risi­ken. Hier­zu gehört auf inter­na­tio­na­ler Ebe­ne die wei­ter­hin stei­gen­de Staats­ver­schul­dung in den Mit­tel­meer­an­rai­ner­staa­ten und damit ein­her­ge­hend die Sta­bi­li­tät des Euro. Auf natio­na­ler Ebe­ne wird die zukünf­ti­ge Ent­wick­lung ganz wesent­lich davon abhän­gen, wel­che Rah­men­be­din­gun­gen die Bun­des­re­gie­rung für die zukünf­ti­ge Ent­wick­lung des Was­ser­tou­ris­mus in Deutsch­land vor­sieht.

Die mari­ti­me Wirt­schaft blickt mit gro­ßer Sor­ge auf die sich abzeich­nen­de Ent­wick­lung. Einer­seits möch­te sich der Bund zumin­dest teil­wei­se aus der Finan­zie­rung der rund 2.800 km zu Neben­was­ser­stra­ßen her­ab­ge­stuf­ten Bun­des­was­ser­stra­ßen mit sei­nen 120 Wehr- und 140 Schleu­sen­an­la­gen zurück­zie­hen und sich die­ser mög­lichst durch Ent­wid­mung ent­le­di­gen und ande­rer­seits sol­len im Rah­men des Bun­des­pro­gramms „Blau­es Band Deutsch­land“ Fließ­ge­wäs­ser und Auen, ins­be­son­de­re im Bereich der Neben­was­ser-stra­ßen, rena­tu­riert wer­den.

Die wei­te­re posi­ti­ve Ent­wick­lung des Was­ser­tou­ris­mus in Deutsch­land, und hier ins­be­son­de­re in länd­li­chen und struk­tur­schwa­chen Räu­men, könn­te durch die­se Ent­wick­lun­gen ernst­haft infra­ge gestellt wer­den.

Die Spit­zen­ver­bän­de aus Was­ser­sport, Was­ser­sport­wirt­schaft und Tou­ris­mus for­dern daher Erhalt und lang­fris­ti­ge Siche­rung der Netz­funk­ti­on und der durch­gän­gi­gen Befahr­bar­keit der Bun­des­was­ser­stra­ßen und set­zen sich für dafür ein, dass Öko­no­mie und Öko­lo­gie glei­cher­ma­ßen geför­dert wer­den.

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